Dorsch

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Dorsche
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Junger Dorsch
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Der Dorsch

Kabeljau und Dorsch sind unterschiedliche Bezeichnungen für dieselbe Fischart (Gadus morhua) aus der Familie der Dorschartigen. Dorsch wird der Fisch vor seiner Geschlechtsreife genannt, der adulte Fisch heißt Kabeljau. Lediglich in der Ostsee wird auch der ältere Fisch Dorsch genannt (im Nordseeanrainerstaat Norwegen heißt der Fisch ebenfalls torsk, in den Niederlanden hingegen kabeljauw.)

Der Kabeljau war bis etwa 1970 eine der verbreitetsten Fischarten der Welt. Die gute Verwertbarkeit und Lagerfähigkeit sowie die leichte Erbeutbarkeit haben dazu geführt, dass inzwischen der Kabeljau am meisten unter Überfischung gelitten hat und sogar im Fortbestand bedroht ist.

Im Dezember 2004 befasste sich der EU-Rat für Landwirtschaft und Fischerei mit der Gefährdung des Kabeljau. Die ehemalige deutsche Verbraucherministerin Renate Künast wies darauf hin, dass der Bestand des Dorsches in der Ostsee und des Kabeljau in der Nordsee gefährdet und das baldige Einsetzen wirkungsvoller Schutzmaßnahmen dringlich geboten sei. Der Versuch zur Einführung von Schutzzonen scheiterte am 22. Dezember 2004.

Aussehen und Lebensweise

Der Kabeljau hat einen lang gestreckten Körper mit mehreren dicht beieinander stehenden und abgerundeten Rückenflossen sowie je einer Bauch- und Afterflosse. Der typische Kinnfaden aller Dorsche ist lang und kräftig. Eine Seitenlinie ist zu erkennen. Die Färbung des Kabeljaus ist uneinheitlich, meist ein grünlich, bräunlich oder rötlich gefärbtes Fleckenmuster, die Bauchseite ist heller als der Rücken.

Der Kabeljau ernährt sich von Würmern, Weich- und Krebstieren, mit zunehmendem Alter auch von kleineren Fischen.

Er kommt im gesamten Nordatlantik von Grönland bis North Carolina und von Spitzbergen bis zur Biskaya sowie in der Nordsee und Ostsee und im Nordpazifik vor. Besonders zahlreich war der Kabeljau bis Mitte des 20. Jahrhunderts über den Neufundland-Bänken zu finden. Er hält sich sowohl in küstennahen flacheren Gewässern als auch in Tiefen bis 600 m auf.

Verwandte Arten

Bevor der Kabeljau durch Überfischung zu Ende des 20. Jahrhunderts erheblich dezimiert wurde, konnten ausgewachsene atlantische Kabeljaue zwei Meter lang und bis zu 100 kg schwer werden. In der Nord- und Ostsee liegt das durchschnittliche Gewicht des Dorschs zwischen zwei und vier Kilogramm. Der Pazifikdorsch (zool.: Gadus macrocephalus, englisch: Pacific cod) wird mit bis zu 1,14 m nicht ganz so groß wie sein nordatlantischer Verwandter. Im Pazifik verbreitet sind der Polardorsch (zool.: Boreogadus saida) und der kleine, nur bis zu 30 cm groß werdende Pazifik-Tomcod (zool.: Microgadus proximus).

Kabeljau als Speisefisch

Der Kabeljau hat weißes Fleisch mit weitgehend neutralem Geschmack und ist für die meisten Zubereitungsarten geeignet. Seine Leber ist schmackhaft und wird als Dorschleber als Konserve angeboten, außerdem liefert sie den vitaminreichen Lebertran. Frisch geräucherter Dorschrogen ist eine Delikatesse, die sich trotz der Räucherkonservierung aus geschmacklichen Gründen nicht lange lagern lässt. Für das "Nationalgericht" der Engländer, Fish and Chips, wird zumeist Kabeljau (engl. cod) verwendet.

Das fettarme Fleisch des Kabeljau lässt sich hervorragend trocknen und in diesem Zustand als Stock- oder Klippfisch lange Zeit lagern. Frisch in Fässern eingesalzen war Kabeljau lange Zeit als Laberdan verbreitet. Stockfisch ist vor allem in Portugal unter dem Namen Bacalhau weit verbreitet. Das deutsche Wort Kabeljau stammt ja aus dem portugiesieschen bacalhau (durch das niederländische kabeljauw).

Der Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache behauptet, dass kabeljauw "offenbar mit Konsonantenumstellung aus span. bacalao entlehnt" sei, aber offenbar ist das lj aus dem portugiesischen lh ([?]) entlehnt.

Wirtschaftliche Bedeutung

Der Stockfisch diente in früheren Zeiten der massenhaften Versorgung von Schiffsmannschaften und Soldatenheeren. Der Handel und die Versorgung mit dieser ?Dauerkonserve? beeinflussten in erheblichem Maß die Geschichte der Entdeckungen und der Weltpolitik der ?westlichen? Welt. Möglicherweise fischten die Basken den Kabeljau schon lange, bevor Columbus die Entdeckung Amerikas für die europäische Öffentlichkeit einleitete, vor den Küsten von Neufundland.

Die wirtschaftliche Bedeutung des von Norwegen bis nach Brasilien als Volks-Nahrungsmittel verbreiteten Kabeljaus war selbst gegen Ende des 20. Jahrhunderts so groß, dass um die Fangrechte weit vor den Küsten einzelner Staaten regelrechte Kabeljaukriege zur See mit Waffengewalt geführt wurden.

Der Kabeljau ist eines der beliebtesten Ziele für Meerangler; er wird an den Stränden der Ostsee, vor allem aber auf hoher See beangelt. Kutterfahrten für Hochseeangler sind an den Nord- und Ostseeküsten von Deutschland und Dänemark ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.