Eiderente

Eiderenten Pärchen
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Eiderente
BS Thurner Hof,Wikip., gnu
Eiderente Männchen
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Eiderente
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Balzverhalten Eiderente
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Die Eiderente

Die Eiderente (Somateria mollissima) ist eine Vogelart, die zur Familie der Entenvögel (Anatidae) gehört. Der Name der Eiderente geht auf die Gottheit Ägir aus der germanischen Mythologie zurück. Im deutschen Sprachgebrauch wird sie gelegentlich auch als "Eidergans" oder "St. Cubertsente" bezeichnet.

Die lateinische Artbezeichnung Somateria mollissima weist auf die weichen und wärmenden Daunen dieser Entenart hin. Übersetzt bedeutet der wissenschaftliche Name "die allerweichste mit dem schwarzen Körper".

Aussehen:
Die Eiderente ist mit einer Körperlänge von durchschnittlich 58 Zentimetern etwas größer als eine Stockente und erreicht durchschnittlich ein Körpergewicht bis zu 2,2 Kilogramm. Männchen sind bei dieser Entenart in der Regel älter, größer und schwerer als Weibchen.

An Land wirkt die Ente plump und schwerfällig, sie ist jedoch ein guter Schwimmer und Taucher, der selbst mit starkem Seegang gut zurecht kommt. Aufgrund der hohen Schnabelwurzel, die direkt in die Stirn übergeht, wirkt der Kopf der Eiderente keilförmig. Sie ist dadurch von anderen Entenarten gut zu unterscheiden.

Die Eiderente zeigt in der Gefiederfärbung einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus. Das Brutkleid des männlichen Vogels, der wie bei allen Enten als Erpel bezeichnet wird, ist am Rücken und an der Brust überwiegend weiß. An der Brust ist das Gefieder leicht rosafarben überhaucht.

Der Bauch, die Flanken, die Bürzelmitte, der Schwanz, die Ober- und Unterschwanzdecke sowie die Kopf-Oberseite ist schwarz gefiedert. Am Nacken ist das Gefieder dagegen hell moosgrün. Als Ruhekleid trägt das Männchen dagegen ein dunkelbraunes Gefieder, dass stellenweise mit weißen Gefiederpartien durchsetzt ist.

Das Weibchen trägt während des gesamten Jahres ein unauffällig dunkel- bis gelblichbraunes Gefieder, durch das sich am Körper dichte schwarze Gefiederbänder ziehen. Hals und Kopf sind dagegen stärker einfarbig braun. Das Gefieder hat dort nur eine feine, braunschwarze Strichelung.

Sie ähnelt damit im Gefieder den Weibchen vieler anderer Entenarten, durch die auffällige Kopfform ist sie jedoch leicht als Eiderente identifizierbar. Der Schnabel der Eiderente ist beim Erpel grünlich gefärbt, der der weiblichen Eiderente ist dunkelgrün. Die Schnabelspitze ist heller und weist eine breite und verhornte Spitze auf. Die Augenfarbe ist bei beiden Geschlechtern braun.

Jungvögel gleichen in ihrer Gefiederfärbung den Weibchen. Während des Fluges ist die Eiderente an ihrer kräftigen Gestalt, dem dicken und kurzen Hals sowie der auffallenden Kopfform deutlich zu erkennen.

Verbreitung und Bestand:
Die Eiderente kommt entlang der nördlichen Küsten von Europa, Nordamerika und Ostsibirien vor. Sie brütet von der Arktis bis in die gemäßigten Klimazonen, in Europa nach Süden etwa bis zum Wattenmeer und ins nordwestliche Frankreich.

An der nordamerikanischen Atlantikküste reicht das Brutgebiet bis nach Maine, am Pazifik reicht das Brutgebiet bis nach Südalaska. Der Schwerpunkt des Brutgebietes der Eiderenten liegt auf Island, wo etwa 450.000 Paare brüten sowie an der Ostsee, wo sich bis zu 600.000 Paare zur Brut versammeln. Der nordamerikanische Bestand wird auf 750.000 bis 1 Million Paare geschätzt.

Vögel aus den nördlichsten Brutgebieten, etwa aus Spitzbergen, ziehen zum Überwintern in die gemäßigten Breiten, wo sie in geeigneten Küstengewässern große Trupps bilden können. Sie überwintern damit in den südlicheren Regionen des Verbreitungsgebiets dieses Vogels. Die südlichen Populationen sind dagegen weitgehend Standvögel.

Im Winter taucht die Eiderente regelmäßig in geringer Zahl auch tief im Binnenland an den größeren Alpenseen auf. Seit den 70er Jahren übersommern hier immer wieder einige Vögel. Am Zeller See im Land Salzburg gelang 1972 sogar ein Brutnachweis. Auch in der Schweiz ist die Eiderente in Ausnahmefällen ein Brutvogel. 1988 brütete die Eiderente erstmals am Zürichsee, in den Folgejahren kam es auch zu weiteren Bruten am Neuenburger-, Vierwaldstätter- und Walensee.

Lebensweise und Ernährung:
Die gesellig lebende Eiderente gehört zu den tagaktiven Enten mit ausgeprägter Tauchfähigkeit. Sie lebt überwiegend von Muscheln bis zu einer Größe von 40 Millimeter und frisst außerdem Schnecken, Krebstierchen sowie Fische. An der Nordseeküste nutzt sie vor allem die Miesmuschelbänke.

Im Binnenland frisst die Eiderente außerdem die eingebürgerte Dreikantmuschel, eine Süßwassermuscheln, die nach 1945 aus Asien eingeschleppt wurde und sich seit den späteren 1980er Jahren sehr stark verbreitet hat. Pflanzliche Nahrung spielt bei dieser Ente keine große Rolle.

Muscheln erbeutet die Eiderente, indem sie entweder den Wattboden nach Muscheln absucht oder sie im Wasser ertaucht. Mit Hilfe ihres kräftigen Schnabels ist sie in der Lage, Muscheln von ihrer Unterlage abzureißen oder nach ihnen im Wattboden zu graben.

Angespülter Seetang wird von ihr gleichfalls nach Wasserinsekten, Muscheln und Schnecken abgesucht. Die Eiderente taucht gewöhnlich nach Muscheln bis zu einer Gewässertiefe von sechs Metern und bleibt etwas mehr als eine Minute unter Wasser. Unter Wasser nutzt sie dabei ihre Flügel zur Fortbewegung. Einzelne Beobachtungen sprechen davon, dass die Eiderente auch wesentlich tiefere Meeresböden erreichen kann. Tauchgänge in Tiefen bis zu 30 Meter wurden bereits beobachtet.

Die Muscheln werden inklusive der Schalen gefressen. Im ihrem starken Kaumagen wird die Schalen geknackt; die Schalentrümmer scheidet die Ente anschließend als Speiballen aus. Das mit der Nahrung aufgenommene Salz wird über Salzdrüsen in der Stirn wieder abgegeben. Die Eiderente nutzt die Gezeitenwechsel gezielt aus, um auch solche Meeresregionen nach Nahrung abzusuchen, die für sie bei Flut nicht erreichbar wären.

Fortpflanzung:
Die Geschlechtsreife erreichen bei der Eiderente die Weibchen bereits in ihrem zweiten Lebensjahr. Die Erpel beteiligen sich an der Balz erst in ihrem dritten Lebensjahr. Erst dann ist bei ihnen das Gefieder der erwachsenen Erpel völlig ausgebildet.

Während der Balz, die im Herbst beginnt, ruft das Männchen ein weiches "ahoo", das Weibchen antwortet auf die Balzrufe des Männchen mit gockelnden "goggoggoggog" und knarrenden "krrr". Zum Rufen legt der Vogel seinen Kopf in den Nacken und wölbt die Brust vor.

Gewöhnlich umwerben mehrere Männchen ein Weibchen. Zu den typischen Balzhaltungen der Erpel gehört ein Imponierschwimmen, bei dem der Kopf langsam von rechts nach links gedreht wird, sowie das Strecken des Körpers aus dem Wasser, bei dem die Flügel nach hinten weggespreizt werden. Ihre Paarungsbereitschaft signalisiert das Weibchen, indem es sich flach auf das Wasser legt. Zur Paarung schwimmt der Erpel auf die Ente, drückt sie dabei fast völlig unter Wasser und beißt ihr mit dem Schnabel in den Nacken. Die Paarung selbst dauert nur wenige Sekunden.

Eine Paarbindung besteht in der Regel nur für ein Jahr. Die ortstreuen Weibchen verpaaren sich aber gelegentlich mit dem gleichen Erpel im nächsten Jahr erneut, wenn dieser in das selbe Revier zurückkehrt.

Brut:
Eiderenten brüten mitunter in größeren Kolonnien. Kolonnien von bis zu 1.000 Paaren kommen beispielsweise auf Island vor. Die Brutzeit liegt je nach Region und Wetterbedingungen im Zeitraum von Anfang April bis Mitte Mai.

Das Nest wird vom Weibchen in Meeresnähe gebaut und befindet sich meist zwischen Geröll und spärlicher Vegetation. Gelegentlich nutzt sie auch alte Möwennester als Nistplatz. Das Weibchen legt in der Regel vier bis sechs grünlich-graue Eier in die mit Bauchdaunen ausgepolsterte Nistmulde.

Verlässt das Weibchen während der Brut die Eier, bedeckt es diese mit Dunen, um den Wärmeverlust zu vermindern. Die Eier werden während einer Dauer von 25 bis 26 Tagen ausschließlich durch das Weibchen bebrütet, das während dieser Zeit fastet. Das Männchen hält sich während dieser Zeit in der Nähe des Nestes auf.

Die Jungvögel werden nach dem Schlüpfen von dem Weibchen geführt. Auf dem Meer schwimmend betreut das Weibchen die Jungvögel bis in den Spätsommer hinein. Diese Führungszeit beträgt etwa 65 bis 75 Tage. Während dieser Führungszeit kommt es häufig zur Vergesellschaftung mit mehreren Familien, die sich wieder auflösen, sobald die Jungvögel flugfähig sind.

Zugverhalten:
Eiderenten sind verhältnismäßig standorttreue Tiere, die zum Teil in ihren Brutrevieren auch überwintern. Der überwiegende Teil der Population nutzt allerdings separate Mauser- und Überwinterungsquartiere, wobei überwiegend nur kurze Strecken gezogen werden.

Zur Mauser ziehen die Vögel nach der Brut in ihre Mauserquartiere, viele Vögel sind dann beispielsweise im Wattenmeer anzutreffen. Zur Mauser präferieren die nur eingeschränkt flugfähigen Eiderenten Gebiete, in denen sie weitgehend ungestört sind. Ihre Fluchtdistanz gegenüber Menschen erhöht sich in dieser Zeit von normalerweise 100 bis 300 Meter auf 500 bis 1.000 Meter.

Der Mauserzug ist daher dadurch bedingt, dass sie große Ruhezonen benötigen. Küstenbereiche, in denen sie sich sonst aufhalten, die ihnen aber nicht ausreichend Rückzugsmöglichkeiten bieten, werden während dieser Zeit von den Eiderenten gemieden. Mittlerweile nutzen die Eiderenten auch einige größere Alpensee als Quartier für ihre Mauser.

So sind Eiderenten während dieser Zeit beispielsweise auch am Bodensee zu beobachten, wo sich bis zu hundert Vögel versammeln. Gelegentlich dienen die Mauserquaritere auch als Überwinterungsort ? so beispielsweise im Wattenmeer. Gelegentlich suchen sie aber ab Oktober bis November separate Überwinterungsquartiere auf, von denen sie ab Februar bis März in Richtung ihrer Brutgebiete zurückkehren. Die auf Island und Spitzbergen brütenden Vögel erreichen ihre Brutplätze in den Monaten April bis Mai.

Fressfeinde und andere natürliche Todesursachen:
In den nördlichsten Regionen ihres Verbreitungsgebietes zählen die Schneeeule und der Polarfuchs zu den Fressfeinden der Eiderente. In den südlicheren Verbreitungsgebieten gehören der Uhu, der Seeadler und der Fuchs zu den Arten, die in der Lage sind, die schwere Ente zu schlagen.

Küken und Eier sind außerdem durch Möwen sowie verschiedene Rabenvögel (beispielsweise Raben- und Nebelkrähe sowie Kolkrabe) gefährdet. Gefährdet sind die Jungvögel jedoch auch durch den Befall mit Parasiten, von denen einige sich auf die Eiderente als Zwischenwirt spezialisiert haben.

Viele der Jungvögel leiden beispielsweise an Trematoden, die zu einer Schwächung der Jungvögel und gelegentlich zu ihrem Tod führen. Zu einem Massensterben von Eiderenten kann es außerdem kommen, wenn in strengen Wintern die Meeresküsten vereisen und die Eiderenten nicht mehr in der Lage sind, die Muscheln auf dem Meeresboden zu erreichen.