Schiffsbohrwurm

Schiffsbohrwurm

Der Schiffsbohrwurm (Teredo navalis, seltener auch Holzbohrwurm genannt) ist entgegen seinem Namen kein Wurm, sondern eine Muschelart aus der Familie der Teredinidae. Sein Körper ist stark verlängert und wurmartig gestreckt. Er benutzt seine Schale nicht primär zum Schutz des Körpers, sondern zum Bohren in das Holz von Schiffswänden, Pfahlbauten, Treibgut usw. Der Schiffsbohrwurm kommt weltweit in ca. 80 Arten vor.

Merkmale und Vorkommen

Der Schiffsbohrwurm wird durchschnittlich etwa 20 cm lang, es wurden aber angeblich schon Exemplare mit über einem halben Meter Länge gefunden. Zusätzlich zur nur etwa 1 cm langen zweiklappigen Schale der Muschel am Vorderende sondert der längliche Körper des Schiffsbohrwurms eine Kalkröhre von etwa 1 cm Durchmesser ab, die dem Schiffsbohrwurm als Wohnröhre dient. Sie ist zum Wasser hin mit einem Kalkdeckel verschlossen, aus dem zwei Atem-Siphone ragen.

Der Schiffsbohrwurm lebt weltweit im warmen Salzwasser, kann aber auch im kalten, salzreichen Wasser (Salzanteil über 0,9 %) überleben. In Häfen kommt er allerdings relativ selten vor, da er kein brackiges Wasser verträgt. In Europa sorgen Stürme für einen zunehmenden Eintritt salzhaltigen Nordseewassers in die salzarme Ostsee. Dadurch konnte der bis vor wenigen Jahren hier unbekannte Bohrwurm bis in die Ostsee vordringen.

Bei stärkerem Befall kann er erheblichen Schaden an Brücken, Hafenanlagen, Deichen und Holzschiffen anrichten, sofern diese am offenen Meer liegen. So ist z. B. in Bremen oder Hamburg der Salzgehalt des Wassers schon so gering, dass der Schiffsbohrwurm dort nicht mehr vorkommt.

Der Befall des Holzes durch den Schiffsbohrwurm ist von außen kaum anzusehen, da die vergleichsweise kleine Öffnung zum Wasser verschlossen ist und die beiden kleinen Atem-Siphone den von außen einzig sichtbaren Hinweis geben. Der Schaden wird oft erst beim Abbrechen ersichtlich. Heute wird das Holz zum Schutz gegen den Schiffsbohrwurm mit Deckschichten aus Metall, Kunststoffen oder Teer versehen.

Fortpflanzung und Lebensweise

Der Schiffbohrwurm ist ein Zwitter, der mehrmals das Geschlecht wechseln kann. Er kann in einem Jahr 1-5 Millionen Eier produzieren.

Bei der Befruchtung wird der Samen im Kiemenbereich eingestrudelt und dort werden die Eier befruchtet. Die ersten 14 Tage bleibt die Larve im Kiemenraum. Anschließend schwimmt sie 1-3 Wochen frei im Wasser und setzt sich dann mit Hilfe eines Haftfadens an einem Stück Holz fest, wo sie zu bohren beginnt, indem sie gleichzeitig die Schalenklappen bewegt. Die kleinen, stark klaffenden Muschelschalen dienen ausschließlich diesem Zweck. Innerhalb von ca. 60 Tagen wächst die Larve zu einem erwachsenen geschlechtsreifen Tier heran und bohrt sich dabei immer weiter durch das Holz. Die wenige Millimeter große Öffnung zum Wasser wird durch 2 spezielle Kalkplättchen hermetisch abgeschlossen, aus der zwei kleine Atem-Siphone ragen. Die Bohrröhre wird mit einer Kalkschicht ausgekleidet und dient als Wohnhöhle, in dem der Schiffbohrwurm den Rest seines weiteren Lebens verbringt. Der Schiffsbohrwurm kann zwei bis drei Jahre alt werden.

Der Schiffsbohrwurm ernährt sich, indem er die Zellulosebestandteile des abgeraspelten Holzes mit den körpereigenen Enzymen Cellulase und Glucosidaen zu knapp 80% in Zucker umwandelt. Die einseitige Ernährung mit Holz würde zu einem Mangel an Stickstoff und essentiellen Aminosäuren führen, die der Schiffsbohrwurm mit Hilfe symbiontischer Bakterien an der Basis seiner Kiemen umgeht. Daneben filtert er durch sein Atemwasser Plankton als Nahrungsergänzung heraus.